Chronik der Johann Nepomuk von Kurz-Stiftung

1832 – Johann Nepomuk, Edler von Kurz, (28. Februar 1783 bis 13. Januar 1865), Conservator am statistisch-topographischen Bureau in München, unterbreitet nach Vorgesprächen dem "Armenpflegschaftsrat der Haupt- und Residenzstadt München" das Konzept für die Gründung eines "pädagogisch-technischen Wohltätigkeitsinstitutes" für behinderte Kinder beiderlei Geschlechts (19. November 1832). Die Genehmigung erhält er im Dezember.

1833 – Am 9. Januar 1833 nimmt er sechs körperbehinderte Knaben in seiner Privatwohnung am Rindermarkt Nr. 4 auf und eröffnet die "Conservator von Kurz'sche praktisch-technisch-industrielle Privat-, Unterrichts-, Erziehungs- und Beschäftigungsanstalt für arme krüppelhafte Kinder in München". Nach einem Beschluß des Finanzministeriums vom 8. Mai 1833 werden ihm die bewohnbaren 26 Räume des leerstehenden Isartortheaters (Theatergasse 1) kostenlos aber widerruflich überlassen. Die Kurz'sche Anstalt blüht auf und wird zum Stadtgespräch in München.Am 21. September 1833 wird die Anstalt zum Nebenzweig der "... kgl. Kreisgewerbeschule für krüppelhafte Kinder aus allen Teilen der Monarchie" erklärt.

1834 – Am 28. Juni 1834 erhält Kurz die Allerhöchste Erlaubnis, zur "Veredlung, Bildung und Versorgung armer krüppelhafter Kinder" zwei Hilfsvereine ins Leben zu rufen.

1835 – Bei der Industrieausstellung in München erhält Kurz für die eingesandten Werkstücke der Anstalt eine Bronzemedaille.

1841 – Im August 1841 werden Herrn von Kurz die Räume des lsartortheaters gekündigt als Ersatz erhält er ab 25. August 1841 das baufällige und wesentlich kleinere Rückgebäude der Taubstummenanstalt am Oberen Anger Nr.17. Die Anstalt kommt in Finanzschwierigkeiten.

1844 – Am 25. Mai 1844 wird die Kurz'sche Anstalt nach dem Vorbild des Blinden- und Taubstummeninstitutesverstaatlicht. Sie heißt nun "Königlich Bayerische Erziehungsanstalt für krüppelhafte Kinder". Der Sohn des Edlen von Kurz, Joseph, war zum neuen Vorstand designiert worden. Dieser starb jedoch im Januar dieses Jahres. Da bittet Johann Nepomuk von Kurz die Einrichtung weiterführen zu dürfen, dennoch wird Joseph Gabriel Mayer (1808-1883) von der Mayer'schen Kunstanstalt zum Vorstand ernannt. Mit Prof. Franz Horner (1798-1865) wird der erste Hausarzt ernannt. Noch im Herbst zieht die Anstalt in die Sonnenstraße 26. Es haben nur 11 Zöglinge Platz.

1850 – Die Verhältnisse drängen nach einer Erweiterung. Im September 1850 findet man in der Krankenhausstraße Nr. 3 mehr Platz, doch der Magistrat braucht das Gebäude für andere Zwecke und löst den Mietvertrag ab.1851 – Da sich kein geeignetes Gebäude zur Miete findet, entschließt sich J. Mayer am 25. März auf eigene Rechnung ein Haus am Stiglmayerplatz zu erwerben.1853 – Der Orthopäde Ludwig Krieger (1830-1880) nimmt einige Zöglinge in apparative und heilgymnastische orthopädische Behandlung. Er veranlaßt regelmäßig Turnunternicht.

1856 – Die Anstalt wird der geistlichen Schulaufsicht unterstellt und die Inspektion dem Prediger und Präses Jakob Frömmer übertragen.1857 – Seinem Bemühen ist es zu verdanken, daß die Anstalt endlich ein Anwesen an der damaligenStaubstraße 13a (heute lsartalstraße) erhält.

1859 –  Da sich die Kunstanstalt von Mayer stark weiterentwickelt, legt er den Vorstand nieder. Zum neuen Vorstand wird am 22. März Ludwig Ostermayr ernannt. Am 5. Mai 1859 wird das Gebäude an der Staubstraße nach Umbau und Erweiterung eingeweiht. Es bietet 30 Behinderten Platz.

1859 – Krieger eröffnet in der Nymphenburger Straße mit Privatdozent Nussbaum eine orthopädische Heilanstalt. Beide stehen der Anstalt unermüdlich und unbürokratisch durch Rat und Tat zu Seite.

1865 – Am 14. Januar stirbt von Kurz völlig verarmt in der Schwanthalerstraße Er wird im Alten Südlichen Friedhof von München bestattet.1868 – Bald ist das neue Haus an der Staubstraße zu klein. Immer noch können keine Mädchen aufgenommen werden. Da stiftet König Ludwig II. aus seiner Kabinettskasse 5000 Gulden zur Gründung eines "Erziehungs- und Unterrichtsinstitutes für arme krüppelhafte Mädchen aus allen Teilen des Landes". Vom Anstaltsvorstand Joseph Ostermayr wird die Bedeutung der Orthopädie neben Erziehung und Unterricht mehr und mehr erkannt.

1877 – Am 1. Mai 1877 Eröffnun eines großzügigen Neubaues an der Klenzestraße 20 (später Nr. 54). Nun wird die Anstalt von 34 Knaben und 32 Mädchen besucht. Die Kosten betragen 315.000 DM.

1878 – 1. Januar 1878 wird die unmittelbare Leitung der Kgl. Zentralanstalt für Erziehung und Bildung krüppelhafter Kinder dem kgl. Staatsministerium des lnnern für Kirchen- und Schulangelegenheiten übertragen. Für das Rechnugswesen ist nun das Kassakuratel der kgl. Rechnungskammer zuständig. Bisher unterstand die Anstalt der kgl. Regierung vonOberbayern.

1891 – Das Unterrichtsangebot wird erweitert. Maschinenschreibunterricht und Stenographie werden eingeführt auf Vorschlag von Hausarzt Dr. L. Koch werden wesentliche Verbesserungen in der gesundheitlichen Fürsorge eingeführt , u.a. regelmäßiges Turnen nach einem Programm des Hausarztes.

1892 – Am 28. Februar stirbt der bisherige Inspektor der Anstalt Joseph Ostermayr. Ab 1. März leitet Jakob Erhard das Haus als Verweser.

1893 – Am 15. Juli 1893 wird J. Erhard zum neuen Vorstand der Anstalt ernannt. Ein Fond " ... zur Erweiterung der kgl. Zentralanstalt für Erziehung und Bildung krüppelhafter Kinder" wird geschaffen.

1897 – Es wird die Schneiderei eröffnet

1903 – Erweiterung der Werkstätte (Buchbinderei,Schneiderei) durch die Schuhmacherei. Dr. Fritz Lange wird zum Arzt "an der Krüppelfürsorge" ernannt.

1906 – Auf Betreiben des Landtagsabgeordneten Dr. Georg Heim beschließt der Landtag für Dr. Lange die Errichtung einer Professur für Orthopädie.

1907 – Dr. Georg Heim und der Professor für Orthopädie Fritz Lange errechnen, daß in Verbindung mit der Zentralanstalt im Rahmen des Neubaues eine orthopädische Klinik errichtet werden soll, um einerseits die Heilbehandlung der Zöglinge zu sichern und andererseits dadurch Möglichkeiten für eine zentrale Ausbildung für Orthopäde zu schaffen.

1911 – Im Juni beginnen die Bauarbeiten des Neubaues in Harlaching an der Brennerstraße.

1913 – Am 5. November werden die "Königliche Landesanstalt für krüppelhafte Kinder", am 23. November die "Königlich Orthopädische Klinik" ihren Bestimmung übergeben. Der bisherige Inspektor führte die Bezeichnung "Direktor". In der Satzung der orthopädischen Klinik wird verfügt, daß die Zöglinge der Landesanstalt sowohl die orthopädische als auch die anderweitige ärztliche Behandlung unentgeltlich in der Klinik erhalten.

1914 – Am 26. März findet die feierliche Einweihung der Landesanstalt und der orthopädischen Klinik im Beisein König Ludwig III. durch den Erzbischof von München Dr. von Bettinger, statt. Die Brennerstraße wird nach dem Gründer der Anstalt in Kurzstraße umbenannt. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wird die Anstalt sofort in ein Lazarett umgewandelt. Heim und Schule werden geschlossen.

1916 – Der Schulbetrieb wird in beschränktem Umfang wieder aufgenommen.

1919 – Revolution in München General von Epp, Befehlshaber der Truppen der "Weißen" schlägt in der Landesanstalt sein Hauptquartier auf.1920 – Die Ernährung der Zöglinge wird zusehends schwieriger. Der jüdisch Bankier von Aufhäuser hilft.1929 – Joseph Lex löst den langjährigen Direktor Erhard ab.

1939 – Die orthopädische Klinik, im Krieg, Lazarett, will auch die Landesanstalt an sich reißen. Die Tatsache, daß die Körperbehinderten beruflich ausgebildet werden, daher " ... nicht der Volksgemeinschaft zu Last fielen", sichert den Weiterbestand. Ausbruch des 2. Weltkrieges. Der Westflügel wird Lazarett. Der Betrieb der Landesanstalt wird eingeschränkt.

1943 – Direktor Joseph Lex, ein Gegner des Nationalsozialismus, wird das Opfer von Denunziation. Er wird durch Rudolf Mayr abgelöst. Das Gebäude wird durch Bomben zweimal getroffen, der Mittelbau erheblich beschädigt. Die meisten Schüler werden heimgeschickt.

1945 – Die amerikanische Armee belegt das Gebäude. Das Lazarett wird geräumt.

1946 – Neubeginn nach Freigabe des Gebäudes durch die Amerikaner. Joseph Maly, der durch schwere Verwundung im Krieg den rechtenArm verloren hatte, übernimmt die Leitung der Landesanstalt. Viele kriegsversehrte Jugendliche werden aufgenommen.1949 – Die Beseitigung der Bombenschäden kommt zum Abschluß.

1953 – Die kaufmännische Fachschule wird Staatliche Handelsschule, mit der Möglichkeit des Erwerbs der Mittleren Reife.

1957 – Die Einrichtung erhält den Namen "Landesanstalt für körperbehinderte Jugendliche".

1961 – Nach den Tode von Direktor Joseph Maly wird die Leitung der Landesschule an Friedrich Kalbhenn übertragen, der bereits als Lehrer und Erzieher in der Einrichtung gewirkt hatte.

1962 – Umfangreiche bauliche Sanierungsmaßnahmen werden begonnen.

1963 – Die Abteilung für Krankengymnastik wird eröffnet, die Schaffung eines psychologischen Dienstes wird angebahnt.

1964 – Am 18. März wird das 5O-jährige Bestehen des Hauses an der Kurzstraße festlich begangen.

1965 – Zu den bestehenden Lehrwerkstätte für Buchbinder, Orthopädieschuhmacher, Damen- und Wäschescheiderinnen sowie Herrenschneider wird eine Lehrwerkstatt für Metallbearbeitung eingerichtet.

1968 – Die bisherige Landesanstalt für körperbehinderte Jugendliche erhält den Namen "Bayerische Landesschule für Körperbehinderte". Die Abteilung für Beschäftigungstherapie wird eingerichtet.

1969 – Als Maßnahme zur Berufsvorbereitung nimmt die neugeschaffene "Einjährig kaufmännisch Berufsfachschule" den Unterricht auf. Frau Anna Zehner, Antiquitätenhändlerin München hinterlässt der "Stiftung Bayerische Landesschule" ihr Vermögen darunter ein Grundstück in Schöngeistig bei Fürstenfeldbruck und ein Grundstück in Starnberg. Zur Betreuung der zunehmend schwerer behinderten Jugendlichen nehmen die ersten Zivildienstleistenden ihre Tätigkeit auf. Die Sondervolksschule wird ausgebaut und nach dem Leistungsvermögen der Schüler differenziert. 

1975 – Die Lehrlinge in den Ausbildungswerkstätten werden den allgemeinen Berufsschulen zugeführt. Sie erhalten im Bedarfsfall Zusatzunterrichtin der Landeschule. Wegen Mangel an Lehrlingen wird die Schuhmacherwerkstätte geschlossen. 

1976 – Das Architektenehepaar aus München Frieda und Emil Henfling, errichten eine Stiftung zugunsten der körperbehinderte Jugendlichen der Landesschule. Vorsitzender des Kuratorium der "Henflingstiftung" wird Dr. Richard Hundhammer, Abgeordneter des Bayerischen Landtages.

1978 – Der bisher sporadisch erteilte Sprachheilunterricht wird durch Einstellung einer Logopädin erweitert. 1979 – Mit einer Ganztagsstelle wird der Psychologische Dienst eingerichtet.

1980 – Das Berufsgrundschuljahr für Mehrfachbehinderte wird eingerichtet. Am 15. Oktober wird im Heim eine Gruppe zur Nachmittagsbetreuung eröffnet.

1981 – Das "Internationale Jahr der Behinderten" ist Anlaß für viele Veranstaltungen, Initiativen und Begegnungen mit dem Ziel, besseren Verstehens Nichtbehinderter und Behinderter.

1982 – Die neue Werkstufe dient den schwer mehrfachbehinderten Schülern nach Beendigung des Volksschulbesuchs zur Ausbildung in handwerklichen Tätigkeiten. Im Juni wird ein kleines Schullandheim und Freizeitzentrum in Schöngeistig in Betrieb genommen. Am 12. Oktober erfolgt die Einweihung.

1983 – Die Bayerische Landesschule feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Der bayerische Ministerpräsident Franz J. Strauß, der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Prof. Dr. Hans Maier und viele weitere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind Gast der Bayerischen Landesschule während der Festwoche. Im Juli tritt mit Schuljahresende Direktor Friedrich Kalbhenn in den Ruhestand. Ihm folgt als Direktorin Anneliese Huß, die vor ihrer Tätigkeit als Seminar- und Fortbildungsleiterin am Staatsinstitut für Schulpädagogik in München an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen und an der Landesschule schon als Sonderschullehrerin im Dienst war. Im September 1983 wird auch die Landesschule "Seminarschule". Im "Studienseminar für Körperbehinderten-Pädagogik werden Referendare zu Sonderschullehrern ausgebildet.

1984 – Im September wird der Krankenhausunterricht in der Orthopädischen Klinik von der Landesschule übernommen.1985 – Die bisher dreijährige Wirtschaftsschule wird mit dem gleichen Lernstoff auf vier Jahre ausgedehnt. An Stelle der bisher einjährige geführten Berufsfachschule wird die dreijährige "Berufsfachschule für Bürokräfte" eingeführt und durch den Ausbau der Übungsfirma wesentlich erweitert.

1986 – Eine Diplom-Sozialpädagogin übernimmt den "Sozialen Dienst", der bisher ein Teilgebiet des "Psychologischen Dienstes" gewesen war. Nach zehnjährige Planung unter Federführung von Beschäftigungstherapie und Krankengymnastik wird im November der behindertengerechte Spielplatz, ein Spielplatz mit Spielangeboten für alle Kinder eingeweiht.

1987 – Mit Schuljahresanfang wird zum ersten Mal eine "Sondervolksschul-Eingangsstufe" gebildet. Am 1. Dezember wird die Metallwerkstätte aufgelöst und in die Werkstätte der Landesschule für Blinde überführt.

1988 – Im Juli wird der "Förderverein Bayerische Landesschule für Körperbehinderte" gegründet. Seine Ziele sind: Die Bildung, Betreuung und Förderung junger Menschen der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte zu unterstützen sowie Hilfestellung nach der Schulentlassungzu leisten.

1990 – Die engeren Vorarbeiten zur Sanierung des Altbaues und zur Durchführung des Heimneubaues beginnen am 27. September.

1991 – Am 2. Januar wird die "Perspektive", eine Nachsorgeeinrichtung für schwerst-und mehrfachbehinderte junge Erwachsene, in Lohhof bei München auf Initiative der Landesschule für Körperbehinderte eröffnet. Alle Arbeitsbereiche der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte werden am 2. April wegen der Neubau- und Sanierungsmaßnahmen ausgelagert. Am 7. Oktober wird unter Anwesenheit von vielen prominenten Gästen Freunden und ehemaligen Schüler der Landesschule der Grundstein für das Schülerwohnheim mit Sportzentrum gelegt.

1992 – Am 16. November kann bereits das Richtfest des Neubaues begangen werden. Die "Johann Nepomuk von Kurz Stiftung" mit dem Ziel der umfassenden Nachsorge für Schulentlassene und Schwerbehinderte wird geschaffen.

1993 – Am 1. Oktober bilden die Bayerische Landesschule für Blinde und die Bayerische Landesschule für Körperbehinderte einen Werkstattverbund mit Förderungslehrgang mit berufsvorbereitenden Maßnahmen für Schulabgänger beider Einrichtungen.

1994 – Alle Schulbereiche kehren am 10. Januar in das sanierte Gebäude an der Kurzstraße zurück. Wegen der ungünstigen Finanzlage verzögert sich die Fertigstellung des Schülerwohnheimes und des Dienstwohngebäude um mehrere Monate. Im September, nach der Fertigstellung des Schülerwohngebäudes ziehen wieder die Schüler und Mitarbeiter des Internats in das neue Gebäude ein. Nachdem alle Bereiche wieder unter einem Dach versammelt sind, wird am 21. September die Einweihung und Eröffnung gefeiert.

Aus der Festschrift anlässlich der feierlichen Eröffnung Altbau/Neubau, 21. September 1994 der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte

 

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